Kiefer und Kinn

8 strukturierte Phänotyp-Dimensionen · aus fachlich begutachteten Skalen

Kiefer und Kinn: Taxonomie

8 Dimensionen · 8 auf Fotos bewertbar · v1.1.0 · UBERON: UBERON:0001684

Mandibuläre Morphologie und Kinnanatomie (mental): Kieferbreite, Unterkieferwinkel, Prominenz des Musculus masseter, Kinnform und Kinnprojektion, submentale Kontur. Die Dimensionen stützen sich auf die kraniofaziale Anthropometrie (Farkas), die Literatur zur Gesichtsästhetik (González-Ulloa, Riedel) und Referenzwerke der orthognathen Chirurgie. Die Unterkiefermorphologie weist auf Populationsebene erhebliche Variation auf; ostasiatische Populationen haben im Durchschnitt eine größere bigoniale Breite und eine ausgeprägtere Masseter-Muskulatur als europäische Populationen.

Dimensionen

  • Kieferbreite (bigonial)

    auf Fotos erkennbar

    ordinal · bigonial_breadth_qualitative

    Breite des Unterkiefers an den Kieferwinkeln (bigoniale Breite) im Verhältnis zu den Wangenknochen (bizygomatische Breite).

    Farkas LG (1994). Anthropometry of the Head and Face, 2nd Edition. Reference: bigonial breadth (go-go) relative to bizygomatic breadth (zy-zy).

    Gültige Werte (3)

    • narrowSchmal (zulaufend)Die bigoniale Breite ist deutlich geringer als die bizygomatische; sich verjüngendes Untergesicht.
    • balancedAusgewogenBigoniale Breite etwa 75-85% der bizygomatischen; ästhetischer Referenzbereich.
    • wideBreitDie bigoniale Breite erreicht die bizygomatische annähernd oder übertrifft sie; quadratisches oder gegenüber den Wangenknochen breiteres Untergesicht. Häufig in ostasiatischen Populationen.
  • Unterkieferwinkel (Gonionwinkel)

    auf Fotos erkennbar

    kategorial · gonial_angle_qualitative

    Schärfe des Kieferwinkels.

    Aligned with orthognathic-surgery descriptors of mandibular angle morphology; reference values approximately 120-130° for the angle between the mandibular ramus and body.

    Gültige Werte (3)

    • sharp_angularScharf / kantigSichtbarer, zu 90° tendierender Winkel am Gonion; definierte Kieferlinie. Häufiger in der männlichen Physiognomie und in ostasiatischen Populationen.
    • moderateMäßigStandardwinkel von 120-130°; definierter, aber abgerundeter gonialer Übergang.
    • soft_obtuseWeich / stumpfGlatter, abgerundeter Übergang ohne erkennbaren Winkel. Häufiger in der weiblichen Physiognomie und bei subkutaner Fettabdeckung.
  • Ausprägung des Masseters

    teilweise auf Fotos erkennbar

    ordinal · masseter_prominence_qualitative

    Prominenz des Musculus masseter als sichtbare Landmarke der Kieferregion. Ein hypertropher Masseter ist die Grundlage des Erscheinungsbilds des „eckigen Kiefers“, das von der skelettalen Kieferbreite zu unterscheiden ist.

    Aligned with descriptors used in masseter-reduction (botulinum toxin / surgical) literature on the East Asian face.

    Gültige Werte (4)

    • flat_minimalFlach / minimalDer Masseter trägt nicht sichtbar zur Kiefersilhouette bei.
    • moderateMäßigMasseter beim Zusammenbeißen sichtbar, in Ruhe jedoch nicht.
    • prominentAusgeprägtMasseter auch in Ruhe als deutliche Landmarke sichtbar; quadratisches Untergesicht.
    • hypertrophicHypertrophAusgeprägte Masseter-Masse; sichtbare Vorwölbung am Unterkiefer.
  • Kinnprojektion (sagittal)

    auf Fotos erkennbar

    ordinal · riedel_pogonion_qualitative

    Anteriore Projektion des Kinns (Pogonion) in seitlicher Ansicht.

    Riedel RA (1957). An analysis of dentofacial relationships. American Journal of Orthodontics, 43(2). Reference: pogonion-to-vertical-line relationship as the standard for chin projection assessment.

    Gültige Werte (3)

    • retrognathicRetrognath / fliehendDas Pogonion liegt hinter der Riedel-Referenzebene; fliehendes Kinn.
    • balancedAusgewogenDas Pogonion liegt etwa auf der Riedel-Referenzebene.
    • prognathicPrognath / vorspringendDas Pogonion liegt vor der Referenzebene; prominentes Kinn.
  • Kinnform (frontal)

    auf Fotos erkennbar

    kategorial · chin_shape_qualitative

    Form des Kinns in Frontalansicht.

    Aligned with descriptors used in genioplasty literature.

    Gültige Werte (5)

    • pointedSpitzV-förmiges Kinn mit schmalem Apex.
    • roundedRundGlatte U-Form; keine erkennbare Spitze und kein erkennbarer Winkel.
    • squareEckigBreites, flaches Kinn mit scharfen seitlichen Winkeln.
    • cleftGespalten (mit Grübchen)Sichtbare vertikale Einkerbung der Mittellinie im Kinnpolster.
    • asymmetricAsymmetrischDeutliche Asymmetrie des Kinns zwischen links und rechts.
  • Kinnhöhe (vertikal)

    auf Fotos erkennbar

    ordinal · chin_height_proportional

    Vertikale Kinnhöhe im Verhältnis zum unteren Gesichtsdrittel.

    Farkas LG (1994). Reference: chin height (subnasale to menton) proportional to lower facial third.

    Gültige Werte (3)

    • shortKurzKinnhöhe unterhalb des Referenzwerts für das untere Gesichtsdrittel.
    • balancedAusgewogenKinnhöhe innerhalb des Referenzbereichs.
    • longLangKinnhöhe deutlich über dem Referenzwert.
  • Submentale Definition (unter dem Kinn)

    auf Fotos erkennbar

    ordinal · ellenbogen_karlin_neck_classification

    Sichtbarkeit des Übergangs von Kinn zu Hals; Vorhandensein von submentalem Fett oder submentaler Erschlaffung („Doppelkinn“).

    Ellenbogen R, Karlin JV (1980). Visual criteria for success in restoring the youthful neck. Plastic and Reconstructive Surgery, 66(6): 826-837. The Ellenbogen-Karlin neck-aesthetics criteria include submental contour as a primary dimension.

    Gültige Werte (4)

    • well_definedKlar definiertKlarer Übergang zwischen Kinn und Hals; kein submentales Fett.
    • softly_definedWeich definiertSichtbarer Kinn-Hals-Übergang mit etwas submentaler Fülle.
    • moderate_submental_fatMäßige submentale FülleSichtbares submentales Fettpolster, das den Kinn-Hals-Winkel verdeckt.
    • marked_submental_fatAusgeprägte submentale Fülle ('Doppelkinn')Ausgeprägtes submentales Fett, das eine zweite sichtbare Kinnkontur bildet.
  • Definition der Unterkieferkontur

    auf Fotos erkennbar

    ordinal · jawline_contour_qualitative

    Sichtbarkeit der Unterkieferkontur vom Kieferwinkel bis zum Kinn.

    Aligned with the contemporary aesthetic-medicine literature on jawline definition (Sundaram et al., Aesthetic Surgery Journal).

    Gültige Werte (4)

    • highly_definedStark definiertKlare Unterkiefersilhouette in Frontal- und Profilansicht sichtbar; keine submentale Fettabdeckung.
    • definedDefiniertUnterkieferkontur sichtbar, aber weich.
    • softWeichUnterkieferkontur teilweise durch Weichgewebe verdeckt.
    • obscuredVerstrichenUnterkieferkontur nicht erkennbar; vollständige Weichgewebsabdeckung der Kieferlinie.
Quellen (5)
  1. Farkas LG (1994). Anthropometry of the Head and Face, 2nd Edition. Raven Press.
  2. Riedel RA (1957). An analysis of dentofacial relationships. American Journal of Orthodontics, 43(2): 103-119.
  3. Ellenbogen R, Karlin JV (1980). Visual criteria for success in restoring the youthful neck. Plastic and Reconstructive Surgery, 66(6): 826-837.
  4. González-Ulloa M (1968). Quantitative principles in cosmetic surgery of the face: profile-plasty. Plastic and Reconstructive Surgery, 41(2).
  5. Sundaram H, Liew S, Signorini M, et al. (2016). Global aesthetics consensus: hyaluronic acid fillers and botulinum toxin type A — recommendations for combined treatment and optimizing outcomes in diverse patient populations. Plastic and Reconstructive Surgery, 137(5).

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